Dorfleben

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Das Heft ist vergriffen!

104 Seiten, Leinen, 1991

Vorwort der Herausgeber

Autor: Albert Stahl

Tausend Jahre hindurch hat bäuerliches Leben unsere Dörfer geprägt. In den Häusern lebten Menschen und Tiere zusammen. Kuh, Ziege und Schwein im Stall, Hühner rings ums Haus, der umzäunte Küchengarten nebenan, alle Arbeit, auch die der Handwerker, auf Vieh, Wald und Feld bezogen. 

In den letzten Jahrzehnten ist diese Welt entschwunden. Stall und Scheune sind umgenutzt. Wo Garten war ist jetzt Rasen. Die Häuser wurden modernisiert, langsam verstädtert das alte Dorf, von den Bewohnern kaum wahrgenommen. Zur Arbeit fahren die meisten aus dem Dorf hinaus. Sie kommen mit neuen Erfahrungen, Ideen und Wünschen zurück. In die Dorfschulen, die 1968 aufgegeben wurden, sind die meisten nicht mehr gegangen. Bald wird auch der Rückzug der Kirche zu spüren sein. Das „Kirchspiel Drolshagen“ verliert schon im nächsten Jahrzehnt seine tausendjährige seelsorgerliche Eigenständigkeit. Auch an der Glaubenswelt, an Bräuchen und Festen, gehen diese Veränderungen nicht spurlos vorbei — aber niemand hat die Phantasie, sich vorzustellen, wie das Leben sich weiter wandeln wird, wie unsere Nachkommen in fünfzig, in hundert Jahren ... leben, denken und glauben werden. 

Umso wichtiger ist es, nicht zu vergessen, woher wir kommen und wie unsere Vorfahren lebten. Bald wird ‘es die Generation, die noch mit Kuh und Ziege im eigenen Haus heranwuchs, nicht mehr geben. Die Zeugen einer Welt, die noch der letzte Saum des Mittelalters berührte, lassen sich dann nicht mehr befragen. 

Mit diesem Buch aber bleibt allen späteren Generationen ein Gesprächspartner erhalten. Albert Stahl erzählt, "wou dat in siener Kinger- un Jungendtied tauging, wou et freuher bie iamme te Heime wor, wat sou im Duarrepe vüarfeil, un wou wall dei Lüh iübber Guadd un de Welt dachtent". Er tut es in Platt und in Hochdeutsch: Ein wunderbarer Nachruf auf eine verdämmernde Sprache und eine untergegangene Welt, die aber humane Maßstäbe hatte, die weiterhin gelten. 


Hubertus Halbfas 


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