Heinrich Huhn in Hützemert

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Am Radweg: Erinnerungsort Heinrich und Sophie Huhn

Bild-Heinrich Huhn

Am 2. September traf man sich am Radweg. Links hinter dem Holzzaun: Findling, Kreuz und Schild. Rechts Lutz Pullmann (Dorfverein Hützemert), 2.v.re. Roland Huhn.

Holzkreuz des Hützemerter Holzschnitzers Josef Stein

Der Unternehmer Heinrich Huhn

Heinrich Huhn

war ein Unternehmer und Firmengründer aus dem Bergischen Land. Er ist Begründer des metallverarbeitenden Unternehmens Heinrich Huhn mit Sitz in Drolshagen, das sich im Laufe des 20. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Zulieferer der Automobilindustrie entwickelte.

Sein Leben

Heinrich Huhn wurde am 13. September 1883 in Hahn bei Morsbach in ärmlichen Verhältnissen geboren. Kurz nach dem frühen Tod seines Vaters 1888 siedelte die große Familie ins Aggertal über, wo bereits die älteren Geschwister Arbeit in der aufblühenden Textilindustrie gefunden hatten. Nach der Schulzeit in Ründeroth erhielt er eine erste Ausbildungsstelle in einem Notariat.

Kaufmännische Erfahrung sammelte er ab 1900 in der Firma Wilhelm Kattwinkel & Co. Eisen- und Baumaterialien-Großhandlung in Ründeroth und Erfahrung in der Metallindustrie ab 1904 in dem Stanzwerk Hermann Huckenbeck in Kräwinklerbrücke, wo er ab 1907 als Prokurist tätig war.

Im Februar 1908 heiratete er die aus Osberghausen stammende Sophie Richter, mit der er neun Kinder hatte.

Im Jahr 1912 übernahm Huhn die bestehende Maschinen- und Eisenwarenhandlung des verstorbenen Carl Schmidt in Dieringhausen und legte damit den Grundstein für sein eigenes Unternehmen. In den folgenden Jahren entwickelte er den Betrieb zielstrebig weiter, indem er das Sortiment um Pressen und Elektromotoren erweiterte und frühzeitig auf industrielle Fertigung setzte.

Ein wichtiger Schritt war im Dezember 1915 der Umzug nach Derschlag in die frühere Fabrik von Johann Heinrich Haeger (1860-1914) - vormals Barthelsche Spinnerei (1844-1860), dem ältesten Industriebetrieb Oberbergs - und dort der Aufbau einer Produktion von Stanzteilen für die Fahrradindustrie. Diese Entscheidung markierte den Übergang vom reinen Handelsbetrieb hin zur industriellen Fertigung.

Mit der Verlagerung des Unternehmens nach Drolshagen im Februar 1936 leitete Huhn eine Phase kontinuierlichen Wachstums ein. Dort begann die Produktion schwerer Pressteile, unter anderem für den Bergbau sowie für die Motorrad- und aufkommende Automobilindustrie.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeiteten bei Heinrich Huhn als „kriegswichtigem“ Unternehmen auch Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter. Der Höchststand von 114 „Fremdarbeitern“ wurde in den letzten Kriegsmonaten erreicht.

Im Jahr 2000 trat die Firma Heinrich Huhn GmbH + Co. KG der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter bei.

Am 11. September 1946 verstarb Heinrichs Ehefrau Sophie im Alter von 63 Jahren an einem Herzleiden. Nach ihrem Tod begann Heinrich Huhn in seinen Lebenserinnerungen die gemeinsame Zeit aufzuschreiben.

Heinrich Huhn verstarb am 24. Februar 1960.

Die Unternehmensführung blieb in Familienhand und wurde mit den folgenden Generationen weitergeführt.

Das Unternehmen HEINRICH HUHN

Das von Heinrich Huhn gegründete Unternehmen entwickelte sich im Laufe von über 100 Jahren von einem regionalen Metallbetrieb zu einem international tätigen Automobilzulieferer:

Bereits in der Frühphase setzte das Unternehmen auf die Herstellung von Stanz- und Pressteilen.

Mit zunehmender Industrialisierung und dem Wachstum der Mobilitätsbranche verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf Komponenten für Fahrzeuge.

Insbesondere nach dem Krieg etablierte sich die Firma als Zulieferer für die Automobilindustrie. Das Unternehmen entwickelte sich von einem metallverarbeitenden Betrieb zu einem Hersteller komplexer Baugruppen, die verschiedene Fertigungstechnologien integrieren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Unternehmen unter Heinrich Huhns Leitung ein erfolgreicher Neubeginn. Huhn orientierte sich erneut an der Automobilindustrie, wodurch sich der Betrieb innerhalb kurzer Zeit als zuverlässiger Zulieferer etablieren konnte.

Ein bedeutender Meilenstein war die Internationalisierung ab den 1990er Jahren, insbesondere durch den Aufbau des Produktionsstandorts HUHN PressTech im slowakischen Vráble. Damit wandelte sich das Unternehmen zu einem global agierenden Zulieferer.

Im Jahr 2020 befand sich das Unternehmen Heinrich Huhn GmbH + Co seit mehreren Jahren in einer nachhaltigen Ertragskrise. Die Ursachen für die Krise waren vielschichtig. Es gab Ineffizienzen in der Aufbau-und Ablauforganisation. Der Werkzeugbau war auch nach dem Umzug in das neue Werk in Scheda defizitär. Teilweise war die Ursachen exogen bedingt und lagen an einem bereits durch den technologischen und gesellschaftlichen Wandel seit dem Jahr 2019 rückläufigen Markt in der Automobilindustrie, der bereits im Jahr 2019 zu einem erheblichen Verlust geführt hat.

Zusätzlich wurde das Marktumfeld aufgrund der Folgen der COVID-19-Pandemie seit März 2020 nachhaltig gestört, wodurch sich die Situation zu einer Liquiditätskrise ausgeweitet hat. Trotz erheblicher Restrukturierungsanstrengungen hat sich die Situation nicht entscheidend verbessert, sodass die Geschäftsleitung am 24.11.2020 beim Amtsgericht Siegen einen Insolvenzantrag eingereicht hat.

Im Rahmen des Insolvenzverfahrens hat die Berylls Equity Partners GmbH aus München die insolvente Heinrich Huhn Gruppe mit den Standorten in Deutschland und der Slowakei übernommen und erweitert.

Heute umfasst das Leistungsspektrum die Entwicklung und Serienproduktion von Metallformteilen und Baugruppen, vor allem für Anwendungen in Fahrwerk, Sicherheitssystemen und weiteren Bereichen der Automobiltechnik.

Das Unternehmen HEINRICH HUHN in HÜTZEMERT beschäftigt mehrere hundert Mitarbeitende und ist Teil einer international ausgerichteten Unternehmensgruppe mit mehreren Standorten in Deutschland sowie Produktionsstätten in der Slowakei und Mexiko.

Die Geschichte des Unternehmens wurde anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums im Jahr 2012 in einer Festschrift sowie durch verschiedene Veranstaltungen gewürdigt. Die Jubiläumsfeier stand unter dem Motto „Gut in Form – seit 100 Jahren“ und verdeutlichte die Entwicklung von einem kleinen Familienbetrieb zu einem international tätigen Industrieunternehmen.

Die Festschrift zum Jubiläum hebt insbesondere die unternehmerische Weitsicht Heinrich Huhns hervor, der frühzeitig auf industrielle Fertigung, technische Innovation und die Nähe zur Automobilindustrie setzte. Diese strategischen Entscheidungen gelten als Grundlage für den langfristigen Erfolg des Unternehmens und seine Entwicklung über mehrere Generationen hinweg.

Quellen

• Handschriftliche Aufzeichnungen von Heinrich Huhn aus dem Jahr 1946 in Familienbesitz

• Festschrift „100 Jahre Heinrich Huhn – Gut in Form seit 1912“, Drolshagen 2012.

• Unternehmensdarstellungen und historische Übersichten der Heinrich Huhn Gruppe (zuletzt besucht am 09.07.2026)