Jahrbuch 5-2018

Sie sind hier: Startseite » SERVICE » VERÖFFENTLICHUNGEN DES VEREINS

*****

Das Heft ist erhältlich:

per Email mit Angabe der Stückzahl und Lieferadresse

Dr. Peter Vitt  02761-73750   Geschichtswerkstatt

Winfried Behme  02761-790027  Heimatverein für das Drolshagener Land

Buchhandlung Am Markt, Drolshagen, Am Hagener Straße 25 

Preis: 15,00 €

Vorwort der Herausgeber

Im Sommer 2016 erhielt Peter Vitt von dem früheren Ortsheimatpfleger Felix Stahlhacke, zwei Aktenbündel mit über 130 Blättern, die dieser wiederum vor Jahren von Hans Wagner bekommen hatte. Wie Felix Stahlhacke erklärte, handelte es sich um Mitteilungen von dem Drolshagener Pastor Franz Wälter an die Drolshagener Soldaten, die ihren Dienst während des 1. Weltkrieges an der Ostfront in Russland, der Westfront in Frankreich und den später hinzugekommenen Fronten verrichteten.

Bei der Durchsicht der Briefe stellte sich heraus, dass alle zweigeteilt waren. Jeder Brief begann im ersten Teil mit theologischen Betrachtungen zu Einfuhrung, im Grunde waren es oft Zusammenfassungen der Sonntagspredigt des Pastors. Im zweiten Teil, den „Nachrichten", finden sich neben informativen Aussagen über die Drolshagener Soldaten, im Geist der Zeit als „Krieger" bezeichnet, wichtige Begebenheiten aus der Heimat. Die Briefe von Pfarrer Wälter an die Drolshagener Soldaten erzählen sowohl viel über das Leben und Sterben der Soldaten an der Front, berichten aber auch die Neuigkeiten aus den Dörfern und der Stadt, und halten dadurch den Kontakt der Soldaten, wovon die meisten vorher nicht über Olpe hinausgekommen waren, in die Heimat aufrecht. Sie geben jungen Menschen, die in Schützengräben in Frankreich, in der Weite Russlands oder im Osmanischen Reich ihren Dienst verrichten, ein Gefühl, dass sie noch am Leben in der Heimat teilnehmen.

Als Leiter der Geschichtswerkstatt informierte Peter Vitt seine Kollegen bei einem der Treffen über die bedeutende Informationsquelle aus dem Ende der Kaiserzeit, und als erster war es Rudi Alterauge, der sich der Briefe annahm und mit der Transkribierung der handgeschriebenen Exemplare begann. Er wurde unterstützt von Hans Gerd Menne aus Belmicke, ebenfalls Mitglied in der Geschichtswerkstatt, Hans Mähler, der sich um die Archivierung der Bibliothek des Heimatvereins verdient gemacht hat und Maria Kurtz aus der Familie Luke in Alperscheid, die heute in Hohenholte bei Münster lebt. Heinz Hesse scannte zudem alle Originalbriefe ein, um sie dauerhaft zu sichern. Georg Hilgers aus Brachtpe sowie Heinz Hesse aus Drolshagen stellten viele alte Feldpostkarten aus ihren Sammlungen zur Verfugung. Nachdem die 63 handgeschriebenen Briefe übersetzt waren, brachte Rudi Alterauge die restlichen 69 gedruckten Briefe lesbar zu Papier und übersetzte auch die in Drolshagener Platt geschriebenen Exemplare ins Hochdeutsche. Darauf ordnete Peter Vitt die in verschiedenen Word- Versionen geschriebenen Dateien chronologisch, während StephanSchlösser das Layout herstellte. Beide überarbeiteten den Text redaktionell, verfassten eine „Einfuhrung" und „Annäherung" und bereiteten die Herausgabe vor.

Auf eine Besonderheit sei noch hingewiesen. Alle handgeschriebenen Briefe waren mit dem Titel „Min Draulzen" überschrieben, ebenso der erste gedruckte Brief vom 4. März 1917. Danach hieß es in der Überschrift „Min Drautzen". Was zunächst wie ein Druckfehler aussah, setzte sich aber bis zum letzten Exemplar vom 11. August 1918 fort. Die Gründe konnten nicht festgestellt werden.

Leider sind die Wälter-Briefe nicht komplett. Trotz mehrerer Aufrufe in allen regionalen Zeitungen und im Pfarrbrief konnten keine weiteren Exemplare ausfindig gemacht werden. Da jedoch die Mehrzahl erhalten geblieben ist, haben wir uns zur Veröffentlichung entschlossen, um ein bedeutendes Zeitdokument nicht in der Vergessenheit verschwinden zu lassen.

Anlass für die Herausgabe der Wälter-Briefe ist das 100-jährige Ende des 1. Weltkrieges, das am 11.11.2018 begangen wird. Gleichzeitig werden am Volkstrauertag dieses Jahres die Sandsteintafeln des früheren Ehrenmals für die Gefallenen, welches auf dem Marktplatz Drolshagens stand, und die mit Hilfe einer Spende des Heimatvereins Drolshagen restauriert werden konnten, auf dem Friedhof an der Grablege der Priester wieder aufgestellt und durch Pfarrer Markus Leber eingeweiht.

Inhaltsverzeichnis