Heimat in Zeiten von Europäisierung und Globalisierung

 


Professor Kronenberg hält Vortrag im Heimathaus Drolshagen


Das Winterprogramm des Heimatvereins für das Drolshagener Land ist kürzlich in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung gestartet. Mehr als 30 Personen beschäftigten sich mit dem Thema „Heimat in Zeiten der Europäisierung und Globalisierung“. Als Hauptreferent stand Prof. Dr. Volker Kronenberg von der Universität Bonn zur Verfügung, der aus dem Blickwinkel seiner Studie „Heimat bilden“ eine Positionierung von Heimat und später auch von weltoffenem Patriotismus vornahm.

Der Vorsitzende des Heimatvereins Dr. Stephan Schlösser stellte zu Beginn das Thema in den Kontext der Gesamtarbeit des Heimatvereins, die in der vergangenen Saison intensiv das Thema Heimat mit eigenen Studien und Exkursionen bearbeitet hatte und das ihn auch in der laufenden Saison weiter beschäftigen wird.

Bürgermeister Uli Berghof verwies in seinem Grußwort darauf, dass der Mensch - wie auch er - verschiedene Heimaten haben kann. Anschließend stellte der Landtagsabgeordnete Jochen Ritter in seiner Rede zunächst fest, dass Drolshagen – so wörtlich - ein gutes Pflaster für die Arbeit am und mit dem Thema Heimat sei. Globalisierung, so Ritter, ergänze den am Ort orientierten Heimatbegriff und verwies darauf, dass Heimat eben nicht nur ländliche Idylle ist.

Ritter wirbt für das Vertrauen in die Heimatpolitik

Vehement wehrte er sich gegen eine Vereinnahmung des Heimatbegriffs durch Gruppen und Parteien, die eine Definition von Heimat als Ausschließungskriterium instrumentalisieren. Vielmehr, so Ritter, sei es ein Anliegen der Landesregierung, Heimat zu fördern als etwas, das verbindet. Er warb um das Vertrauen für eine Heimatpolitik, die nicht Vergangenes konservieren will, sondern für eine zukunftsweisende Arbeit mit Perspektiven.

Gleich zu Beginn stellte Prof. Kronenberg seine Ausführungen in den Zusammenhang mit dem „Tag der Deutschen Einheit“ und setzte die Begriffe Heimat und Patriotismus in den Kontext von Europa und Globalisierung. Als Studiendekan der Philosophischen Fakultät im Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn fasste er den Heimatbegriff in einer sozialwissenschaftlichen Perspektive.

Heimat ist ein geschützter Raum

Heimat, so der Referent, ist immer ein geschützter Raum, als regionale oder Beziehungsgröße verstanden, die trotz vieler Gemeinsamkeiten im Verständnis immer auch individuell geprägt ist. Ein von vorneherein festgelegter Heimatbegriff ist daher nicht möglich.

Als Ort kann Heimat auch in konzentrischen Kreisen verstanden werden, als "Heimatort", der in einer Region liegt, die zu einer Kulturlandschaft wie das Sauerland gehört, geprägt als Nahbereich durch Herkunft und aktuelles Leben.

Schwieriger sei es schon, Nordrhein-Westfalen als Heimat zu beschreiben, da das Bundesland ein zunächst künstlich geschaffenes Nachkriegsprodukt ist. Wohl aber identifizieren sich Menschen mit Westfalen oder dem Rheinland.  Nicht destotrotz hat sich auch hier eine Landesidentität herausgebildet, die, wie ein Diskussionsteilnehmer hervorhob, auch wesentlich durch ein gemeinsames Rundfunkprogramm des WDR gefördert wurde.

Projekt „Heimat bilden“ ebenfalls Thema

Im Blick auf die Bundesrepublik Deutschland verwies der Referent darauf, dass auch dies zunächst ein Produkt der Nachkriegszeit war, als Provisorium angelegt, das zu einem Durchgang, zu einem Transitorium wurde.

Nicht zuletzt wurde es auch zum Definitorium, zu einem Begriff, der auch Identifizierungen ermögliche. Kritisch stand der Referent einer Gleichsetzung von Patriotismus und Nationalismus gegenüber, wie es vor allem im Rechtpopulismus geschieht.

In seinen Ausführungen ging er auch auf das Projekt „Heimat bilden“ der Konrad-Adenauer-Stiftung ein, dass er federführend koordiniert hat. Kern dieser Studie für die Politische Bildung und die Arbeit in Kommunen ist, ein anschlussfähiges Verständnis von Heimat zu finden, bei dem gemeinsame Werte, Pluralität und Zukunftsbezug im Mittelpunkt stehen.

Heimatverein plant weitere derartige Veranstaltungen

Es war auffallend, dass die von den Referenten dargestellten Positionen mit der Diskussion im Heimatverein eine hohe Übereinstimmung besaßen. Es wird nicht die letzte gemeinsame Aktion sein, die der Heimatverein mit Trägern der Politischen Bildung veranstaltet“, teilt der Heimatverein mit. Dies betonte auch Dr. Georg Schneider von der Konrad-Adenauer-Stiftung, der die Veranstaltung organisiert und die Moderation übernommen hatte.

LokalPlus 04.10.2019