06. Oktober 2019 40 Jahre Plattdeutsche Runde


Vierzig Jahre Plattdeutsche Runde Drolshagen - 

und noch mehr


Eigentlich war es ein "puckeliges Jubiläum", wie es einer der Gäste formulierte. Vierzig Jahre sind eben kein halbes Jahrhundert, aber dennoch Anlass genug für die Plattdeutsche Runde Drolshagen, auf die über die Jahrzehnte hinweg aktive Arbeit zurückzuschauen, sich und die Pflege des Dräulzer Platt zu feiern und einen Blick nach vorne zu werfen.

Die Plattdeutsche Runde war ursprünglich eine Arbeitsgemeinschaft der VHS Olpe, die auch 1989 das 10-jährige Jubiläum mit einer großen Festveranstaltung im damaligen Vereinshaus unter Beteiligung aller Größen der Plattdeutschen Sprache im Kreis Olpe beging.

Nach Gründung des Heimatvereins und der Errichtung des Heimathauses wurde die Plattdeutsche Runde eines seiner Arbeitskreise. Seit dieser Zeit trifft sich die Runde jeden ersten Donnerstag im Monat "ümme Platt te spriaken".

Der Festakt begann am Sonntagnachmittag mit einer eigens für diesen Anlass geschriebenen Plattdeutschen Andacht in der St. Clemens Kirche. Die etwa 50 Teilnehmer sangen und beteten im Dräulzer Platt, bevor sie sich auf den Weg in nahe gelegene Heimathaus machten.

Gertrud Schneider, die derzeitige Leiterin der Plattdeutsche Runde, begrüßte die über 50 Gäste, die sich zur Jubiläumsfeier im Vortragssaal des Heimathauses zusammengefunden hatten, allen voran die aktiven und ehemaligen Miglieder der Runde. Selbst mit dem Rollstuhl waren einige der ersten Teilnehmer von vor 40 Jahren gekommen.

Stellvertretend für verstorbene Gründerin Maria Hütte begrüßte sie ihre Tochter Susanne mit ihrem Mann. Maria Hütte war Autorin hunderter Gedichte und Prosastücke und nicht zuletzt der Übertragungen von Liedtexten ins Dräulzer Platt, die bei jedem Treffen gesungen werden. Für seine jahrelange Mitarbeit in den Anfangszeiten der Plattdeutsche Runde begrüßte sie Hans Mähler mit Frau und Albert Stahl, der mit der Leitung der Runde in Drolshagen und in Iseringhausen ebenfalls ein hohes Engagement für die Plattdeutsche Sprache geizeigt hatte.

Mit einem herzlichen Willkommen wurden auch der Vorstand des Heimatvereins, die Vorsitzende des Kreisheimatbunds Olpe Roswitha Kirsch-Stracke aus "dem befreundeten Ausland, dem Wendschen" und der Bürgermeister der Stadt Drolshagen, Uli Berghof, sowie Verena Gipperich von den Klatschbasen in den Kreis aufgenommen.

Auch die verhinderten Ehrengäste wurden von Ferne begrüßt wie Heinz Stachelscheid, der sich von Ecuador über Internet immer wieder an den Aktivitäten des Plattdeutsche Runde beteiligt, Jutta Nebeling, die als Koleiterin der Runde aktiv ist und Klaus Droste als Mentor des Plattdeutschen über die VHS Olpe.

Den Reigen der Grußworte eröffnete Stephan Schlösser als Vorsitzender des Heimatvereins für das Drolshagener Land mit einer Darstellung der Situation des Plattdeutschen und der Zusicherung, dass die Plattdeutsche Runde auch in Zukunft wichtiger und willkommener Teil der Arbeit des Heimatvereins bleibt. Als ein Geschenk an die Runde rezitierte er ein plattdeutsches Gedicht, das ihm seine Tante mit 100 Jahren vorgesagt und das Heinz Stachelscheid per WhatsApp ergänzt hatte.

Albert Stahl wies auf die Zusammenarbeit mit dem Sauerländer Mundart Archiv hin und überreichte der Plattdeutsche Runde eigene Bücher und Texte zur Weiterverwendung.

Roswitha Kirsch-Stracke zeigte sich wieder einmal begeistert von der Arbeit des Heimatvereins Drolshagen, heute aber insbesondere der Plattdeutsche Runde Drolshagen. Erstaunt über die große Zahl der Gäste an diesem Nachmittag zeigte sie sich zerknirscht, dass sie nur eine Flasche heimischen Kräuterlikör als Geburtstagsgeschenk an die Vorsitzende überreichte. "Wenn ich gewusst hätte, dass so viele Menschen heute hier sind und feiern, hätte ich eine ganze Kiste mitgebracht".

Welche Zukunft hat die Plattdeutsche Sprache, fragte anschließend Walter Wolf vom Vorstand des Heimatvereins und langjähriges Mitglied der Plattdeutsche Runde Drolshagen. Er begann mit einem Überblick über deren Geschichte und ihre jeweils unterschiedlichen Ausrichtungen.

In den 70ger Jahren waren es eher Unterrichtseinheiten, die sich am traditionellen Sprachenlernen orientierten und das Erlernen von Vokabeln und grammatikalischen Besonderheiten als Grundlage für das Sprechen des Dräulzer Platt vorsahen. Diese Runden waren von Felix Stahlhacke in Kooperation mit der VHS Olpe, namentlich Klaus Droste, initiiert und wurden von dem aus Drolshagener stammenden Theo Schürholz geleitet.

Nachdem diese Form für viele zu akademisch war, entstand unter dem Vorsitz von Maria Hütte zunächst ein Plattdeutscher Stammtisch, der in die heute gefeierte Plattdeutsche Runde überführt wurde. Mit der Erkrankung und dem Tod von Maria Hütte übernahm Albert Stahl die Plattdeutsche Runde.

Irgendwann auf dem Erntefest wurde, nachdem der Besuch vor allem aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Teilnehmer zurückging, eine Wiedergeburt der Plattdeutsche Runde beschlossen, die auch jüngere Menschen gewinnen sollte. Hier sind die Namen von Heinz Stachelscheid und Jutta Nebeling, später auch die der jetzigen Leiterin Gertrud Schneider zu nennen.

Wie es nun mit der Plattdeutsche Runde weitergehen kann, erläuterte der Referent zunächst mit einem Blick auf die Eigenheiten der Plattdeutschen Sprache, die eher sichtbare Prozesse als technische Funktionen beschreibt. Der Begriff des „Bildwerfers“ lässt sich in Platt beschreiben oder umschreiben, das Wort „Diaprojektor“, das eine technische Funktion definiert, nicht. Um wie viel schwieriger ist es dann, einen Beamer zu beschreiben, aber sicherlich nicht unmöglich. Nur muss es etwas anders sein, als die Übernahme eines Begriffs, der Plattdeutsch intoniert wird. Daran muss auch heute sich Plattdeutsch orientieren.

Der Referent verwies auch auf den Rückgang des Plattdeutschen, das als Alltagssprache nahezu verschwunden ist. Plattdeutsch, und damit auch das Dräulzer Platt ist jedoch ein Kulturgut, das gepflegt werden kann und sollte. Er machte dies am Beispiel der Sense deutlich: niemand wird mehr den Rasen ums Haus mit einer Sense mähen, aber die Kulturtechnik des Mähens und Dängelns sowie der mit dem Körper vollzogene Schwung beim Mähen können gelernt werden, auch wenn man sie nicht mehr im Alltag nutzt. So sollte auch das Kulturgut des Plattdeutschen bewahrt, gelernt und weitergegeben werden. Eine Rückführung als Alltagssprache ist illusorisch.

Hierin liegt auch die Chance der Plattdeutschen Runde. Über das Lesen von Texten der vielen Schreiberinnen und Schreiber in Drolshagen hinaus wird es um das Sprechen gehen, denn es heißt Plattdeutsche Sprache, nicht Plattdeutsche Lese oder Schreibe.

Mit dem Lied "Weg mit der Verdraitlichkeit" nach dem Text von Maria Hütte wurden auch die bisherigen Zuhörer aktiv. Auffallend war dabei, dass die alten, ehemaligen Teilnehmer, kräftig und natürlich auswendig mitsangen.

Einen vergnüglichen Schlusspunkt der Feierlichkeiten setzte Gaby Neuhaus mit dem Text von Heinz Berg "Der Dräulzer im Himmel" von Anfang der 80ger Jahre. Er ist mittlerweile ein Klassiker geworden, der auf liebenswürdige Art Dräulzer Schlitzohrigkeit und Humor widerspiegelt. Gleichzeitig war dies eine Reminizenz an einen großartigen Schreiber in Drolshagener Mundart.

Wie üblich für die Plattdeutsche Runde wurde der Abschluss in der Gaststube bei einem kleinen Imbiss und guten Getränken gefeiert. Erfreulich war auch, dass gerade die Urgesteine aus den Anfängen der Plattdeutsche Runde noch lange blieben.

Alles sei eine runde Sache gewesen, bewerteten die Teilnehmenden unisono die Veranstaltung. Nun, so kam die Antwort aus dem Kreis der Aktiven, so sind wir eben. Eigentlich sei es wie immer in der Plattdeutschen Runde gewesen.