Heinrich Bone Ausstellung im April 2019

Ein Rückblick

Heinrich Bone ist 1813 in Drolshagen geboren und starb 1893 in Hattenheim bei Mainz (heute ein Stadtteil von Eltville am Rhein).
Er war ein bedeutender Pädagoge des 19. Jahrhunderts.
Wir präsentierten eine Woche lang vom 31. März bis 06. April 2019 eine Ausstellung des Gymnasiums Petrinum Recklinghausen im Heimathaus.   

Heinrich Bone besuchte nach seiner Grundschulausbildung bei dem Lehrer Prinz in Drolshagen Gymnasien in Attendorn, Arnsberg und Recklinghausen, wo er 1831 am Petrinum das Abitur ablegte. Nach seinem Studium in Bonn war er Gymnasiallehrer in Düsseldorf, Köln und Bedburg, um dann 3 Jahre lang sein altes Gymnasium Petrinum zu leiten. Zuletzt wirkte er als Direktor des Gymnasiums Mainz. 

Nach seinem in 64 Auflagen erschienen Lehrbuch lernten Generationen von Gymnasiasten im Rheinland und in Westfalen für das Fach Deutsch. Besondere Verdienste erwarb sich Heinrich Bone um das Kirchenlied, seine Kirchenliedsammlung "Cantate!" war Vorläufer des heutigen "Gotteslob", in dem sich viele seiner Lieder wiederfinden. Er hat die jetzige Melodie des wohl bekanntesten deutschen Kirchenliedes "Großer Gott wir loben dich" komponiert.

In der Ausstellung zeigten wir die Arbeiten von Schülern über sein Leben und Wirken, welche im Rahmen eines Graphic Novel Projekts entstanden sind. Daneben konnten sich die Besucher anhand von Postern über das Leben, die Familie, den Werdegang und die die Bedeutung Heinrich Bones für die Pädagogik, die Philologie und die Kirchenmusik des 19. Jahrhunderts informieren. Wir stellten außerdem etliche Originalhandschriften und Bücher von Heinrich Bone, zum Teil unveröffentlichte Sonette und Fabeln, persönliche Briefe und vieles mehr aus unserem Vereinsarchiv und aus einem Drolshagener Privatbesitz aus. Viele Ausstellungsbesucher hatten somit eine gute Gelegenheit, sich über einen der bedeutendsten Drolshagener zu informieren!

Bei der festlichen Eröffnung am Sonntag, 31.03.2019 sprach nach der Einleitungsrede des Vereinsvorsitzenden (siehe unten) der derzeitige Direktor des Gymnasiums Petrinum, Michael Rembiak ein Grußwort. Hauptredner war Dr. Marco Zerwas, der die Bedeutung Heinrich Bones aus philologischer Sicht erläuterte.

Ein am Petrinum entstandenes Buch über Heinrich Bone konnte (und kann weiterhin im Heimatverein) käuflich erworben werden.

Hier Auschnitte aus der Eröffnungsansprache von Dr. Stephan Schlösser:

„... Willkommen in einem Haus, das eng mit Heinrich Bone und seiner Familie verbunden ist. Dieses Heimathaus hieß, bis es der Heimatverein erwerben konnte, Gasthof Bone. 1838 brannte das noch mittelalterliche Städtchen Drolshagen, kreuz- und quer von kleinen Straßen und Wegen durch- und von einer Stadtmauer umzogen, vollständig nieder. Nur die Kirche, das außerhalb der Mauer gelegene Pastorat und das letzte Klostergebäude blieben dank günstiger Winddrehungen verschont. Danach wurde Drolshagen nach preußischer Art mit breiten Straßen in rechten Winkeln in den Folgejahren wieder aufgebaut. Zu den neuen Häusern gehörte auch dieses hier in der Annostraße, allerdings noch ohne den Anbau, in dem wir uns hier befinden.

Erbauer dieses Hauses war Mathias Bone und seine Frau Maria Elisabeth geborene Kramer. Als Drolshagen abbrannte waren beide 55 Jahre alt. Die älteste Tochter war da schon außer Haus verheiratet, hatte 2 kleine Kinder und erbaute mit ihrem Mann Theodor Müller das Haus direkt gegenüber an der Annostraße. Das zweite Kind von Mathias Bone, Heinrich, „unser Heinrich Bone“, war 25 Jahre alt. Nach seinem Studium der Philologie, Philosophie und Theologie in Bonn, das er mit 22 Jahren mit Auszeichnung abgeschlossen hatte, war er soeben als Hilfslehrer am Königlichen Gymna­sium Düsseldorf (heute Görres-Gymnasium) angestellt und begann seine berufliche Karriere.

Das dritte Kind von Mathias Bone war Anna Katharina. Sie war zwei Jahre jünger als Heinrich und noch nicht mit Heinrich Schürholz aus dem Gastof „Zur Brücke“ verheiratet. Sie musste sicher die meiste Arbeit mitleisten, um dieses Haus neu zu errichten. Das vierte Kind Theodor, der spätere Kreisrichter Bone, war 17, das fünfte Kind, Casimir war 15 Jahre alt. Casimir erbte später mit 34 Jahren, den Gasthof und die Landwirtschaft und vererbte selbst, da er mit seiner Frau Alwine geborene Stachelscheid keine Kinder hatte, Haus und Hof an die Tochter von Alwines Schwester Bibiana, also an die Nichte von Alwine Bone, Auguste Schürholz und ihren Mann Rudolf Alterauge. Von deren Sohn Rudolf Alterauge erwarb 1993 der Heimatverein den Gasthof Bone. 

Die erste Begegnung mit Heinrich Bone hatte und hat man als katholischer Christ und eifri­ger Messbesucher durch die Kirchenlieder aus dem „Sursum Corda" und späteren „Gotteslob". Heinrich Bones Aktivitäten sind, was das Kirchenlied angeht, vielleicht auf seine Erfahrungen zurückzuführen, die er und sein Vater Mathäus und Bruder Casimir im Drolshagener Gesangbuchstreit gemacht haben.

Josef Hesse beschreibt in seinem Buch „Geschichte des Kirchspiels und Klosters Drols­hagen“ diesen Streit so:

„Die Drolshagener sind von einer sagenhaften Empfindlichkeit geplagt, wenn jemand an ihren alten Traditionen und Gewohnheiten rütteln will. Sie können wegen belangloser Klei­nigkeiten auf die Barrikaden gehen. Die Pastöre haben oft ihre liebe Not mit diesen Dick­köpfen. Dabei geht es gar nicht darum, ob die Gläubigen treue Söhne ihrer Kirche oder für die harten Anforderungen der damaligen Frömmigkeit ansprechbar sind, sondern lediglich um das verbissene Festhalten an überkommenen Bräuchen. Wie solche Hartleibigkeit und Traditionsgebundenheit eine ganze Generation in Atem halten können, das zeigt der Ge­sangbuchstreit in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts. In der Clemenskirche werden - wie an­derorts auch - seit jeher an den hohen Festtagen die lateinische Messe, an den übrigen Sonntagen deutsche Lieder gesungen. Während Olpe schon 1818 das .Herold'sche" Ge­sangbuch eingeführt hat, wird in Drolshagen noch stur an den alten Texten und Melodien festgehalten. Der Kirchenchor, der sonst Schrittmacher des Gesanges ist, verhindert hier jede Neuerung. Eine große Buchspende des Herold'schen Verlages nach dem großen Stadtbrand bleibt einfach liegen und wird gar nicht erst verteilt. Dem alten Pastor Mambau ist gar nicht wohl in seiner Haut. Um es mit keinem zu verderben, ordnet er 1843 die Einführung des „Elberfelder" Gesangbuches an. Einige hundert Exemplare werden auch gekauft. Der 8-köpfige Kirchenchor mit den Herren Matthäus (Vater von Heinrich Bone), Johann Peter und Heinrich Bone (Verwandte von Heinrich Bone), Heinrich Keimer, Theodor Hardenacke, Johann Josef Dedial, Eduard Stachelscheid und Franz Heinrich Butz, verhindert das Singen jeden neuen Liedes. Auf der anderen, der „fortschrittlichen“ Seite, stehen die beiden Kapläne Diekmann und Thöne mit dem Bürgermeister Carl Stachelscheid...“

Der Gesangbuchstreit ging also quer durch die Drolshagener Familien.

„In der Kirche geht über Jahre hinweg der Zwist weiter“, fährt Josef Hesse fort. „Jeder singt seine eigenen Lieder nach eigenen Noten, unbekümmert um die Dissonanzen und die Stö­rung des Gottesdienstes. Je nach der Einstellung der Kirchenbesucher leert sich ostentativ die Kirche, wenn die nicht genehmen Lieder oder Melodien gesungen werden. Bürgermeister Karl Stachelscheid droht, nach Amerika auszuwandern, Kaplan Diekmann läßt sich verset­zen, sein Nachfolger Springmann bleibt nicht lange. Der neue Vikar Tigges verlegt das Schwergewicht seiner Tätigkeit nach Iseringhausen und Brachtpe, wo er die alten Lieder singen lassen kann; der Organist ärgert den Pastor durch das Abspielen weltlicher Weisen nach Schluß der Messe usw. usw.

Was nutzt es, wenn der Generalvikar bestimmt, daß nur die Pfarrgeistlichkeit zu befehlen hat, welche Lieder gesungen werden. Der Streit nimmt kein Ende. Dechant Habbel muß die in Drolshagen gebräuchlichen Exemplare der verschiedenen Gesangbücher nach Paderborn schicken und legt nun vier (!) unterschiedliche Drolshagener Gesangbücher vor. Da sollte auch einer schlau draus werden. Als gar am 30. Juni 1844 während einer Bet­stunde 5 - 6 Gemeindemitglieder auf der Orgelbühne mit dem alten Gesang in den neuen einfallen und einen großen Lärm verursachen, der Bürgermeister für seine Anhänger eine Anzeige nach Paderborn schickt, entlädt sich die knisternde Spannung in einer offenen Revolution. Neue Beschwerden gehen zur bischöflichen Behörde. Paderborn ist aber der Rebellion in Drolshagen überdrüssig und müde geworden und läßt die Dinge weitertreiben. Als Pastor Mambau im Dezember 1844 stirbt, will die Partei des Küsters und Chores den Vikar Tigges, die Anhängerschaft des Bürgermeisters aber den Vikar Thöne zum neuen Pfarrer. Erst als die Königliche Regierung als Nachfolgerin der Patronatsherrin den Pfarrverwalter Gördes zu Wilnsdorf, ehedem Vikar zu Siegen, für die Pfarrstelle präsentiert, nimmt dieser Streit zunächst ein Ende. Sorge bereitet der Partei der „Fortschrittlichen“ die Tatsache, daß der neue Pastor ein Studienfreund des Gymnasiallehrers Heinrich Bone ist, aus dessen Familie die heftigsten Gegner aller Neuerungen kommen. Die Befürchtungen sind grundlos.

Das neue Gesangbuch bleibt. Die Barrikaden werden abgeräumt. Eine große Revolution verläuft im Sande.“

Meine These nun, meine verehrten Damen und Herren ist  – und Prof. Dr. Hubertus Halbfas hat diesen Zusammenhang ja auch schon in seiner Biografie über Heinrich Bone in den Heimat­stimmen des Kreises Olpe im Jahr 2013 vermutet – meine These ist, dass dieser Streit Anlass oder gar Ursache war für die Aktivitäten, die Hein­rich Bone daraufhin startete, um dem deutschsprachigen Kirchenlied – ich will es mal locker formulieren – auf die Sprünge zu helfen, oder besser: auf ein höheres Qualitätsniveau zu hieven, zu ordnen, teilweise auch neue Lieder hinzuzufügen – in seinem Sinne, in seiner theologischen Ausrichtung, die man getrost als ultramontan bezeichnen kann, und zwar in seiner Liedsammlung Cantate!

Man kann zu seiner Theologie stehen wie man will. Eines kann man nicht: Heinrich Bone Willen und Energie absprechen, eine Sache voranzubringen, ein Problem zu beseitigen, das das Kirchenvolk zu entzweien drohte.

Wille und Energie sind in seinem pädagogischen und philologischen und schließlich auch dichterischen, lyrischen, musikalischen Werk deutlich zu erkennen. Dies uns noch einmal vor Augen zu führen, dazu dient die vorzügliche Recklinghäuser Ausstellung, die wir in diesem April eine Woche lang in Bones Heimatstadt zeigen dürfen...."