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Das Haus und seine Gestaltung

Nicht jeder baut ein Haus. Viele wohnen in Häusern, die vor fünfzig, hundert oder mehreren hundert Jahren gebaut worden sind. Manchmal hat jede Generation an diesen Häusern etwas verändert, meistens zu ihrem Nachteil. Dem Haus die ursprüngliche Gestalt wiederzugeben, verlangt meistens großen Sachverstand.

Manch einer hat selbst ein Haus gebaut. Vielleicht vor zehn, zwanzig, dreißig Jahren. Inzwischen sieht er mit anderen Augen darauf und würde gerne dies und jenes verbessern. Was läßt sich tun?

Und wieder andere wollen erst bauen. Das ist eine Aufgabe, für die keine Schule gerüstet hat, obwohl doch das Haus die eigene Welt verändert: Die Nachbarschaft, die Straße, das Dorf werden durch jeden Neubau betroffen: mal bereichernd, mal belastend. Wie muß ein Haus aussehen, damit es zum Dorf paßt?

Einerlei nun, ob es um sehr alte, um alte, neuere oder erst noch zu entwerfende Häuser geht, für alle gibt es Maßstäbe, die jeder Hausbesitzer bedenken sollte. Diese Fibel möchte dazu eine Hilfe sein.

Der Haussockel

Alle unsere Fachwerkhäuser stehen auf einem Sockel. Er gehört meistens zum Kellerbereich und bildet die tragende Wand für die Fachwerkkonstruktion. Der Sockel hebt die Schwellbalken aus dem Bereich des Spritzwassers heraus. Bisweilen ist er gegen einen Hang hin auch geschoßhoch ausgeführt, immer aus heimischer Grauwacke gemauert und entweder weiß gekälkt oder anthrazitfarben gehalten, um sich den Fachwerkwänden unterzuordnen.

Häuser einer späteren Zeit zeigen dagegen oft Sockel aus hammerrechten Bruchsteinen; über dieser erdnahen Zone hebt sich dann eine hell verputze Wand ab. In jüngerer Zeit aber findet man immer häufiger Sockel, die mit Klinkerriemchen oder gar keramischen Fließen verkleidet wurden. Durchweg erfährt das Haus dadurch eine erhebliche Störung. Zum einen verbindet der Sockel das Haus mit dem Erdreich; er sollte dunkel und einfach sein. Zum anderen passen Klinkersteine nicht in den Zusammenhang; sie sind der Natur fremd und wirken unruhig. Das Ortsbild wird umso empfindlicher gestört, je höher verklinkerte Sockel reichen. Manchmal verderben solche Häuser ein sonst ansprechendes Straßenbild.

Anlaß für derartige "Modernisierungen" ist meistens der Wunsch nach "Pflegeleichtigkeit. Man wählt man Kunststoffe, um in Zukunft von Pflegeanstrichen verschont zu bleiben. "Dann habe ich Ruhe", heißt es. Doch immer wird übersehen, daß auch solche Materialien altern. Während Naturstoffe durch ihr Altern Patina bekommen und einen zusätzlichen Reiz, werden Kunstprodukte durch ihr Altern nur häßlich, sehen verbraucht aus und können nicht aufgefrischt werden.

Statt der problematischen Klinker empfehlen sich imprägnierende und zugleich atmungsaktive Anstriche, zumal Klinker langfristig auch bautechnisch nicht befriedigen. Ließ Mauerfeuchtigkeit vorher den Putz bröckeln, so fallen die Klinker irgendwann ab, denn die Feuchte kommt von unten, also von innen, und dagegen schaffen "Verkleidungen" keine Abhilfe. Von außen aber erweisen sich die Fugen als störanfällig. Verklinkerung ist in jüngerer Zeit die größte aller Verschlimmbesserungen.

Die Fachwerkwand

In vergangenen Jahrhunderten wurden auf den Dörfern fast ausschließlich Fachwerkhäuser gebaut. Die Materialien (Holz, Weidengeflecht und Lehm) waren am leichtesten und billigsten zu haben. Besonders zu schützende Wände konnten eine Bretterverschalung oder eine Verschieferung erhalten. So leuchteten unsere Dörfer schwarzweiß in der Landschaft und boten ein ungestörtes harmonisches Bild.

Im letzten Jahrhundert sind viele Fachwerkhäuser unter Putzfassaden, hinter Schieferwänden oder Kunststoffverkleidungen versteckt worden. Am häßlichsten fallen die zugenagelten Wände mit steinimitierenden Bitumenplatten auf, aber auch die Verkleidungen mit Eternitplatten wirken kalt und tot und nehmen dem Haus jeden Zauber. Hinzu kommt, daß bodenständige Fachwerkhäuser ihre Fenster mit weißen Rahmen in die dunklen Gefache einbinden, während heutige Wandverkleidungen die Fenster stumpf aussparen, so daß sie nun eher wie Löcher in eine leblose Wand geschnitten wirken.

In vielen Fällen wurden beim Verstecken des Fachwerks die bauphysikalischen Gesetze nicht beachtet. Oft ist die Atmungsaktivität des Holzes beeinträchtigt, so daß hinter der Wandverkleidung die Fäulnis beginnt.

Allen Besitzern von Fachwerkhäusern sei empfohlen, die heute noch versteckten Wände wieder freizulegen. Sie gewinnen dadurch ein freundliches, leuchtendes Haus und können dem Ortsbild keinen besseren Dienst erweisen. Sollten Gründe der Wärmedämmung dagegen sprechen, so läßt sich diese heute auch von innen anbringen. Man braucht die hohen Werte moderner Wärmeschutzmaterialien aber nicht für alle Räume anzustreben, sondern kann auch durch eine gute Regeltechnik Energie einsparen. Im übrigen stecken im Fachwerk Wohnwerte und Wohnqualitäten, die schon viele Familien veranlaßt haben, eine Stadt- und Neubauwohnung gegen das Leben in einem gepflegten Fachwerkhaus einzutauschen.

Die Wertschätzung des Fachwerks zeigt sich allerdings auch in problematischer Gestalt. Immer häufiger findet man unechtes, nicht-konstruktives Fachwerk, das wie aufgenagelt oder aufgeklebt wirkt. Gegen ein modernes Ständerwerk ist nichts einzuwenden, aber eine Theaterarchitektur sollte vermieden werden.

Putz und Farbe

Neben dem Fachwerk und der Schieferwand ist heute das verputzte Haus in unseren Dörfern am häufigsten zu finden. Auch hier gilt es, genauer hinzusehen, um gute und problematische Lösungen zu unterscheiden.

Da finden sich zunächst "steinsichtig" geputzte Wände an alten Bauten. Bei ihnen überzieht der Putz das Haus wie eine lebendige Haut. Licht und Schatten spielen auf der Wand, besonders schön im Streiflicht. Das Haus lebt.

Es gibt auch Putze, die angestrengt "alt" wirken möchten. Sie sind meist grob und rauh, wie der Kellen- und der Mondsichelputz, und durchweg von einer gekünstelten Unordentlichkeit.

Für Rankgewächse (an Spalieren) bieten sich Putzbauten besonders gut an. Solche Häuser strahlen besondere Freundlichkeit aus. Für den Anstrich ist ein heller, ins Weiße tendierender Ton anzuraten. Eine farbliche Tönung muß zurückhaltend gewählt werden und darf nie den Blick auf die bauliche Umgebung und das Dorf verlieren.

Die Schieferwand

Ursprünglich kannte man keinen Unterschied zwischen der altdeutschen Dachdeckung und der Beschieferung einer Wand. Zum Handwerk gehörte das freihändige Zuhauen der Steine an der Baustelle. Das wichtigste Kennzeichen der alten Deckung bestand darin, daß sie frei von jedem Schematismus war. Die noch erhaltenen Beispiele früherer Jahrhunderte zeigen lebendige Verlegemuster, die nicht nach der Schnur gearbeitet wurden. Die immer gleichbleibende Form, die wir heute vorfinden, ist die Folge fertiggelieferter Schieferschablonensteine, die dem Dach wie der Wand etwas Mechanisch-Gleichmäßiges geben. Die alte Handwerksregel achtete hingegen darauf, daß die Steine in der Breite, also im Maß zwischen Rücken und Brust, von sehr verschiedenen Abmessungen waren, und daß möglichst viele Gebinde mit den verschiedendsten Steingrößen - bei Verjüngung der Gebinde von der Traufe zum First hin - zusammengestellt werden konnten.

Für die Wandbeschieferung kamen nur kleinste Steine in Frage. Die Enden der Wand wurden ebenso wie am Dach mit Orten gebildet. Die Fenster faßten Links- und Rechtsorte ein. Wurden Dach und Wand ursprünglich gleichbehandelt, so traten gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei der Wandbeschieferung Spielarten auf. Man gliederte die Wand, variierte die Formen und entwickelte verschiedenartige Verlegemuster. Voraussetzung dafür war das Aufkommen der Schablonendeckung, die im 19. Jahrhundert zugleich eine Schematisierung der Schieferdeckung einleitete.

Den Ruin handwerklicher Kunst brachte die Kunststeinplatte. Scharf und mechanisch geschnitten, großflächig und unterschiedlich eingefärbt, ohne lebendige Oberflächenstruktur sind mit diesen Schablonen unzählige Fassaden zugenagelt worden - in einem stupiden Verlegemuster, zu dem nicht mehr der Handwerker sondern nur noch ein Monteur gebraucht wird. Ein ästhetischer Sinn für Flächengestaltung, Maßstäblichkeit der Gebinde, Ortwirkung und Herausheben der Fenster ist damit geschwunden. Hier kann nur radikales Umdenken wieder zu annehmbaren Verhältnissen führen.

Die Tür

In allen Kulturen der Welt gilt dem Eingangsbereich die größte Aufmerksamkeit. Haustüren vermitteln den Geist eines Hauses, sie sind dessen Visitenkarte. Von manchen deutschen Landschaften ist ihre unsägliche Armut bekannt, aber trotz aller Kargheit des Lebens ließ sich der Bauer nicht lumpen, wenn es um die Haustür ging. Sie sollte seinem Haus Gesicht geben.

Alte Türen und Tore am sauerländischen Haus tragen besonderen Schmuck: einen Hausspruch als Wunsch oder Gebet, die Namen der Erbauer, Ornamente und Symbole des Lebens. Anderswo gibt es nur zwei Materialien: Granit und Holz. Granit für den Türrahmen, Holz für das Türblatt. Aber wieviel Möglichkeiten stecken darin! Allein mit versetzten Profilbrettern lassen sich zahllose Gestaltungen für eine gedoppelte Tür erzielen.

Leider sind in den vergangenen Jahrzehnten viele schöne alte Türen fortgeworfen worden. Statt wertvolle Holztüren, oft solche mit großartiger Aufteilung und lebendiger Gliederung, sorgfältig zu restaurieren, hat man sie gegen seelenlose Verschlußklappen ausgetauscht, mal aus Metall und geriffeltem Drahtglas, mal protziger mit kupfernem oder bronzenen Renomierschmuck. Viele neue Türen sind Fremdkörper in ihren Häusern. Gegen ein gutes Serienprodukt ist nichts einzuwenden, aber der nächstbeste Baustoffhändler kann auch nicht den Häusern unterschiedlichen Alters und Stils gerecht werden.

Wenn eine alte Haustür wirklich nicht mehr zu erhalten ist, lohnt es sich, sie durch eine neue ersetzen, die nach Material, Gliederung und Konstruktion der alten Tür gleicht.

Auch nebengeordnete Eingangsbereiche sind wichtig. Die Tür zur Einliegerwohnung wie die Stalltür verdienen keine Gleichgültigkeit. Alle Türen haben Symbolwert. Entwertet man sie zu technischen Verschlußklappen, sind sie zugleich ein Signal für kälter werdendes Leben.

Die Fenster

Jedes Haus hat sein eigenes Gesicht; meist ist es die Straßenseite. Sie lebt vom Rhythmus, der Zahl und den Proportionen der Fenster. Seit den siebziger Jahren sind zahllose dieser Gesichter durch neue Fenster verstümmelt worden.

Beim alten Haus waren die Fenster abhängig von konstruktiven Vorgaben; sie entsprachen aber auch immer dem menschlichen Maß. Darum finden wir stets nur aufrechtstehende Fensterformen, die durch das Fensterkreuz senkrecht und waagerecht geteilt sind, sodaß man jedes Fenster kleinteilig öffnen kann. Moderne Bautechniken erlauben heute beliebig große Fensteröffnungen. So sind vielfach die Formate verändert worden: statt aufrechtstehender Formen brach man Erweiterungen in die Hauswand und setzte querformatige Fenster ein. Gleichzeitig wurde das sprossenlose Einscheibenfenster modisch, da es "pflegeleichter" sei. Im Resultat entstanden traurige Beispiele zerstörter Proportionen. Wer sich auf Dauer mit diesen verunglückten Ergebnissen nicht abfinden will, sollte die querliegenden Einscheiben-Fenster ("als ob sich einer die Nase waagerecht ins Gesicht dreht") wieder durch stehende Formen ersetzen. Bei überbreiten Querformaten empfiehlt es sich, das Einscheiben-Fenster durch eine gegliederte Fensterfolge zu ersetzen, so daß sich mehrere aufrechtstehende Formate aneinanderreihen.

Aber noch gibt es in vielen Häusern die alten Sprossenfenster mit einem Oberlicht, das sich zweiteilig öffnen läßt und mit ebenso gegliederten Flügeln, die auch geöffnet nicht den Innenraum blockieren. Solche Fenster sollten sorgsam gepflegt und niemals um der besseren Wärmedämmung willen durch Doppelglasscheiben ersetzt werden. Wenn eine höhere Wärmedämmung notwendig ist, kann man von innen ein zusätzliches Fenster vorsetzen; dann entsteht ein Kastenfenster. Diese Lösung bietet höchsten Lärm- und Wärmeschutz und macht die Räume behaglicher. Müssen aber tatsächlich neue Fenster her, so lohnt es sich, trotz höherer Kosten Sprossenfenster gleicher Bauart zu wählen.

Nicht selten findet man Sprossenfenster zwar schön, will aber doch auf die durchgehende Glasscheibe nicht verzichten. Also entscheidet man sich für "Sprossen in Aspik". Derart vorgetäuschte Lösungen können das wirkliche Sprossenfenster niemals ersetzen. Man sollte konsequent darauf verzichten.

Das Dach

Im Sauerland gehört das Satteldach mit einer Neigung zwischen 42 bis 50 Grad und Schieferdeckung zur bodenständigen Hausform. Dazu kommen ziemlich knappe Dachüberstände: an der Traufe der Abschluß mit einem Gesimsbrett (seltener durch ein Kastengesims), am Ortgang mit einem etwa 25 cm breiten Ortbrett. Die Gesimsbretter an Traufseite und im Giebel sind durchweg weiß gestrichen. In ihrer feingliedrigen Maßstäblichkeit geben sie dem Haus ein ausgewogenes Aussehen.

Ursprünglich waren die Dächer geschlossene Flächen ohne jede Durchbrechung. Später kamen kleine Gauben mit Satteldächern in der Neigung des Hauptdaches dazu. Diese Merkmale sind auch für Renovationen und Neubauten zu bedenken.

Da heute der Dachraum gewöhnlich für Wohnzwecke genutzt wird, werden mehr Dachaufbauten als früher erforderlich. Man kann damit aber unversehens dem Haus einen verpfuschten Charakter geben. Darum sollte schon bei der Planung der Innenraum so zugeschnitten werden, daß die Hauptbelichtung über die Giebelseiten erfolgt. Wenn dann trotzdem noch Dachaufbauten erforderlich sind, sollten sie sich in ihrer Größenordnung den Proportionen des Daches unterordnen und natürlich im gleichen Material gedeckt sein, wie das Dach selbst.

Als Grundregel gilt, daß die Breite aller Dachgauben zusammengenommen ein Drittel der Trauflänge nicht überschreiten darf. Dabei müssen die Gauben von den Giebelseiten wenigstens einen Abstand von 2 Metern halten; verträglicher ist ein größerer Abstand. Die Fenster in den Dachgauben müssen deutlich kleiner sein als jene in der darunterliegenden Hausfront. Andernfalls werden die Dachgauben zu klobig und entstellen das Haus.

Siehe auch: "Schieferdeckung - über eine alte handwerkliche Kunst" von Hubertus Halbfas

Balkone

Dem alten Fachwerkhaus sind Balkone fremd. Wollte man dennoch Balkone anbauen, so müßten sie mit ihren Ausladungen und aufwendigen Geländern als Fremdkörper wirken. Doch auch neuere Hausbauten tun sich mit Balkonen schwer. Oft genug ragen Betonplatten aus der Wand, ohne mit dem Hausganzen in einer organischen Verbindung zu stehen. Dies um so weniger, als gedrechselte Geländer Marke "Allgäu" oder "Walsertal" dem sauerländischen Dorf am wenigsten angemessen sind. Bei Schwarzwald- und Alpenhäusern, die mit ihren breiten Dachüberständen dem Balkon eine organische Einbindung geben, hat der Balkon eine selbstverständliche Bautradition. Für unsere Landschaft sind in die Hausarchitektur harmonisch eingebundene Lösungen eher die Ausnahme als die Regel.

Statt der modischen Holzgeländer nach süddeutschen Mustern empfehlen sich im sauerländischen Dorf einfache Stabgeländer, für die unterschiedliche Formen denkbar sind. In ihrer größeren Leichtigkeit und Schlichtheit passen sie besser zu unseren Häusern.

Garagen und Nebengebäude

Solange Landwirtschaft zum Haus gehörte, war der Hof auch mit Nebengebäuden versorgt. Sie wurden stets dem Haupthaus in Dachneigung und Charakter angeglichen, ordneten sich ihm unter und bildeten mit ihm zusammen ein bauliches Ensenble.

Wenn heute ein Wohnhaus um gewerbliche Nutzungen erweitert werden soll, entstehen meistens kistenförmige Anbauten, die nicht einmal das Bemühen zeigen, die Architektursprache des Hauptgebäudes zu übernehmen. Zu wünschen ist, daß Haupt- und Nebengebäude eine Einheit bilden. Ideal wäre es, könnten sie einander so zugeordnet werden, daß kleine Hofräume entstehen.

Als Garagen lassen sich überdachte, aber offene Einstellplätze besser in die Außengestaltung einbinden als die üblichen Fertigcontainer. Doch wenn schon Garagen unentbehrlich sind, so sollten sie dem Wohnhaus angeglichen werden: Bei Neubauten lassen sie sich unter das Dach des Wohnhauses integrieren. Ansonsten kann die Garage ein Dach von gleicher Neigung und Deckung wie das Wohnhaus erhalten, zusätzlich ein Tor aus Holz.

Mauern und Zäune

Manche Abgrenzungen wirken wie Verteidigungsanlagen. Betonsockel und Maschendrahtzäune sehen immer häßlich aus. Wenn es schon dergleichen sein muß, sollte eine Hecke hinzukommen. Am schlimmsten sind Formsteine aus Plastik oder Beton. Mauern müssen sich wie selbstverständlich dem Gelände anpassen. Darum ist eine gut bewachsene Trockenmauer jedem gegossenen Bollwerk vorzuziehen und eine begrünte, überwachsene Mauer ist schöner als ein Klinkerprodukt.

Leider sind Trockenmauern immer seltener geworden. Viele wurden bei fälligen Erneuerungen durch starre Wände aus Beton ersetzt. Dabei ist die Trockenmauer ein wunderbares Biotop für Pflanzen und Tiere, die sonst keine Chance haben. Sie fügen sich besser als jede andere Mauer in die Landschaft ein. Sie verdienen auch weiterhin Wertschätzung und Pflege.

Für Abgrenzungen zwischen den Grundstücken sind Sträucher und Hecken vorzuziehen, möglichst aus Laubgehölzen, am wenigsten aus fremdländischen

Koniferen. Am lebendigsten wirken natürliche Hecken, die ohne Formschnitt auskommen, etwa solche aus Wildrosen. Sie blühen und duften, tragen Hagebutten im Winter und überleben den, der sie pflanzt. Geignete Sträucher für natürliche Hecken sind Hainbuche, Hartriegel, Schlehdorn, Holunder und Liguster. Natürlich passen auch Immergrüne dazu, vorzugsweise Eibe, Stechpalme (Ilex) und Buchsbaum.

Dorfgemäß für Gärten und andere Einfriedungen sind senkrecht stehende Lattenzäune, vor allem, wenn der tragende Zaunpfosten ebenfalls aus Holz ist und hinter den durchlaufenden Zaunfeldern steht. Zäune sollten mit dem Gelände gehen, also Abtreppungen vermeiden. Gegenüber dem Lattenzaun ist der Jägerzaun von unnötigem Aufwand und jedenfalls nicht schöner.

Bäume

In alter Zeit waren Bäume heilig. Vielen Zeitgenossen ist der Sinn dafür abhanden gekommen. Sie finden Bäume beim Haus hinderlich. Sie ärgern sich über den "Schmutz", den Bäume machen und möchten ihr Laub nicht immer wieder fortschaffen. Gerade gegen die Hausbäume wurde in den vergangenen Jahrzehnten ein rabiater Kampf geführt: weil sie dem Haus Licht wegnehmen, zuviel Arbeit machen, einen Parkplatz blockieren..., und was der Einwände mehr sind.

Große, hohe Bäume geben einem Ort Geborgenheit. Im Sommer sind sie Staubfänger, Sauerstofflieferanten und Staubschlucker und über alle Nützlichkeit hinaus Freudenspender. Im Winter aber zeigen sie mit ihrem wunderbaren Geäst ihren Reichtum an Gestalt und Leben.

Im Weichbild stattlicher Bäume gewinnt auch ein architektonisch schwaches Haus erhöhten Stellenwert. Wenn Menschen Bäume trotzdem als störend empfinden, muß etwas in ihrem Verhältnis zur Natur und zu sich selbst nicht in Ordnung sein. Viele Dörfer könnten an Lebensqualität und Schönheit gewinnen, wenn sie einen Pflanzplan für große Bäume systematisch entwickeln würden. Für Ortschaften, die sich an der Aktion "Unser Dorf soll schöner werden" beteiligen, sollte das eine der ersten Aktionen sein. Als großkronige Bäume empfehlen sich: Bergahorn, Esche, Linde Platane, Stieleiche, Traubeneiche, Roteiche, Silberweide. Kleinkronige Bäume sind Feldahorn, Zierkirsche, Birke, Vogelbeere, Eberesche.

Gewerbe- und landwirtschaftliche Zweckbauten

Geht es darum, für Industrie, Gewerbe oder Landwirtschaft Großbauten zu errichten, haben Bauherrn und Architekten fast immer nur die nackte Zweckbestimmung vor Augen. Selten gilt dem ästhetischen Anspruch und der Eingliederung des Bauwerksa in Dorf und Landschaft ein erkennbares Interesse. Hinzu kommt, daß Reklameschriften und Werbeträger oft eine zusätzliche Belastung für die Umgebung sind.

Es gibt aber auch gelungene Beispiele, die zeigen, daß auch hier ein rücksichtsloses Zweckdenken nicht sein muß. Die zu lösende Aufgabe beginnt bei einer sorgfältigen Standortsuche und einer klugen Eingliederung in das Gelände. Größte Umsicht gilt sodann dem Baukörper, damit dessen Proportionen nicht die Maßstäblichkeit der gewachsenen Dorfarchitektur und der Landschaft erdrücken. Auch Beleuchtung und Werbeträger ordnen sich diesem Interesse unter.

Wo bereits Großbauten vorhanden sind und das Ortsbild belasten, bleibt nur der Weg, durch Anpflanzung von Sträuchern und großkronigen Bäumen die störenden Wirkungen zu mildern. Diese Lösung überfordert in ihren Kosten niemanden; sie ist auch mit den übrigen Interessen eines Gewerbes vereinbar.

Die Materialwahl

Gute Architektur ist an die Auswahl nur weniger, miteinander harmonisierender Baumaterialien gebunden. Durchweg haben sauerländische Häuser helle Wände. Neben schwarzweißem Fachwerk wirken farbige oder verklinkerte Fassaden störend. Klinkersteine gehören ins Münsterland, dem Sauerland sind sie fremd. Gewöhnlich wünscht der Bauherr aber ein "pflegeleichtes" Haus und läßt sich dann Materialien anraten, die das Ortsbild belasten. Hier soll nicht einmal von Quaderplatten, Kunststoffen oder Keranikfließen die Rede sein. Selbst helle, gar weiße Steine, dunkel verfugt, wirken störend. Wer zweischalig mauern will, mit einer schlichten Putzwand aber nicht zufrieden ist, kann immerhin Kalksandstein wählen, und die Wand anschließend weiß einschlemmen. Solche Wände haben eine lebendige Struktur und vertragen sich gut mit älterer Architektur.

Die Häuser im Dorf sollten trotz aller lebendigen Vielfalt durch bestimmte Merkmale als zusammengehörig erkennbar sein. Neben ihren Proportionen und Dachformen bestimmt am meisten die Auswahl der Baumaterialien diese Einheitlichkeit. Wie sehr eine Vielzahl von Baustoffen und die unkritische Verwendung neuer Materialien ursprünglich schöne Häuser verunstalten, zeigen die Skizzen und Fotos auf diesen Seiten.